50 Jahre Bogensport in Könitz - Bogensport in Könitz

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50 Jahre Bogensport in Könitz

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Jubiläum für Exoten - 50 Jahre Bogensport in Könitz
(Bernhard Möslein / 30.10.10 / OTZ )

Ob als Sektion der BSG Stahl Maxhütte, Vereinsabteilung im SV Stahl Unterwellenborn oder als Bogensportverein (BSV) selbstständig, in diesen Tagen heißt es in Könitz "50 Jahre Bogenschiessen". Fast auf den Tag genau vor 50 Jahren, am 20. Oktober 1960, wurde die Sektion Bogenschiessen einer zugegebenermaßen damals sehr exotischen Sportart gegründet. Die sieben Gründungsmitglieder waren Harry Leuthäuser, Günther Wagner, Ruth und Hans Drechsel, Jochen Körner, Winfried Stanek und Jürgen Todtenhöfer.

 


"Todte", seit Jahrzehnten Vereinsvorstand und damals zwölf Jahre alt, freute sich bei der kürzlich ausgetragenen Vereinsmeisterschaft über 35 Starter aller Altersgruppen und Bogenarten: "Man sieht, unser Verein lebt. Traditionsreiche Vereine gibt es viele, aber man darf nicht stehenbleiben und muss immer etwas dafür tun." Getan haben die Könitzer in ihrem Jubiläumsjahr viel: Zum einen wurden die Top-Turniere Gemeindepokal als internationales FITA-Sternturnier auf dem Sportplatz immerhin die 29. Auflage und das 3-D-Rasselbockturnier im Buchholz mit Teilnehmerrekord ausgetragen.

Begonnen hatte das Jahr 2010 für den Verein jedoch mit der Ausrichtung der Deutschen Hallenmeisterschaften in der Sportschule Bad Blankenburg, einer Mammutveranstaltung mit 560 Startern. Ein Verein, der in einem Jahr drei große Turniere in ganz unterschiedlichen Bogendisziplinen veranstaltet, ist in Deutschland ganz selten. Könitz ist als verlässlicher Ausrichter geschätzt. Ein Verdienst vor allem von Steffen Pfeifer, der im Verein für das Material verantwortlich ist und bei Arbeitseinsätzen "den Hut auf hat".


Die Ausrichtung von Turnieren hat in Könitz eine lange Tradition, ungezählt die kleineren Turniere, Bezirks- und Landesmeisterschaften. 1975, mit Einweihung des Schleppdaches hinter der Schießlinie, 1978 und 1985 organisierten die Könitzer die DDR-Meisterschaften der Damen und Herren. 1988 fand mit dem Internationalen Turnier der sozialistischen Länder das bis heute größte Turnier in Könitz statt. Es folgten DBSV-Meisterschaften 1991, 1993 und 2000, ehe 2001 die Sportschule in Bad Blankenburg für große Turniere angepasst wurde und 2001, 2006 sowie eben 2010 dort Deutsche Hallen-Meisterschaften stattfanden. Momentan laufen Planungen, den Sportplatz in Könitz so zu verbreitern, dass zirka 36 Scheiben statt bisher 28 gestellt werden können. "Dann könnte zwar keine Deutsche Meisterschaft für alle Altersklassen stattfinden, aber ein Ranglistenturnier zur Nominierung der Nationalkader oder eine Altersklassenmeisterschaft", wagt Todtenhöfer einen Blick voraus.

Das Sportlerheim, 1988 mit Unterstützung vor allem der Maxhütte, der Gemeinde und hunderter freiwilliger Stunden der Vereinsmitglieder gebaut und den Bogenschützen eigentlich zur Dauernutzung übergeben, ist auch Bestandteil der Geschichte. 2000 wurde das Vereinsheim an einen anderen Träger übergeben und der Verein hatte nur noch zwei baufällige Materialräume zur Verfügung. Aber die Mitglieder rückten zusammen. Mit der Gemeinde konnte ein langjähriger Pachtvertrag abgeschlossen werden und das 45 Jahre alte Vereinsgebäude wurde mit fast 700 Arbeitsstunden renoviert.

 


Eine, vielleicht die wichtigste, Säule des Vereins ist von Anfang eine kontinuierliche Nachwuchsarbeit. Das war in den ersten Jahren das Verdienst vor allem von Ruth und Hans Drechsel. Da gibt es viele bekannte Namen und lohnt ein Blick in die Chronik: Winfried Maierhofer, Winfried Stanek und Todtenhöfer wurden schon bald nach Vereinsgründung 1962 DDR-Jugendmeister mit der Mannschaft. Jürgen Todtenhöfer feierte 1966 den DDR-Meistertitel der Männer und startete ein Jahr darauf in Holland bei der WM.
DDR-Meistertitel in weiteren Jahren u.a. durch Bert Rissmann, Hubert Müller, Claudia Taszus, Monika Walther, Holger Rosa oder Andreas Zimmer waren der Lohn für unzählige Übungsstunden der "Drechsels". Das größte Talent der damaligen Zeit war sicher Carmen Thalmann (heute Kelm). 1974 und 1976 wurde sie als Jugendliche bzw. Juniorin bereits DDR-Meisterin der Damen. Eine Ur-Könitzerin begann damals ihre heute noch andauernde aktive Laufbahn: Anke Meckel wurde schon 1977 DDR-Meisterin bei den Schülerinnen B und gehört heute mittlerweile in der Altersklasse Ü 40 immer noch zu Deutschlands besten Schützinnen. In den 80er Jahren schlug sich die Nachwuchsarbeit auch in Medaillenrängen der Oberliga nieder. Todtenhöfer und Carsten Kühn, der 1985 alle drei Meistertitel in der Juniorenklasse geholt hatte, bildeten zusammen mit Michael Franke und Heinz Neumann eine erfolgreiche Mannschaft.

 


1987 begann Gabi Möslein ihre Arbeit als Trainerin im Verein und unterstützte fortan Gisela und Jürgen Todtenhöfer, die seit 1977 die Sektion leiteten, ganz wesentlich. Die Damenmannschaft mit Anke Meckel, Gabi Möslein und Vera Todtenhöfer gehörte in den 90er Jahren bundesweit zu den Besten. Die Reihe erfolgreicher Nachwuchstalente fand mit Schützen wie Yvonne Nikolaus, Stefan Vedder, Nadine Kelm und Junioren-WM-Teilnehmer Markus Wachsmuth ihre Fortsetzung. Heute sind Jonas Kraßnitzer und Marvin Reißland auf dem besten Wege, in die erfolgreichen Fußstapfen zu treten. Richtig "oben" angekommen ist bisher nur eine Athletin: Die waschechte Könitzerin Andrea Weihe ist als mehrfache Deutsche Meisterin, WM- und EM-Teilnehmerin und Kapitän der Damen-Compound-Nationalmannschaft zum Aushängeschild des Vereins geworden. Um sie herum hat sich mit Bianca Pfeifer und Ramona Wagner eine Mannschaft etabliert, die schon mehrere Deutsche Meistertitel einheimste.


Mitglieder des Könitzer Vereins sind aber nicht nur am Bogen aktiv, sondern arbeiten auch als Funktionäre in verschiedenen Gremien mit. So ist z.B. Jürgen Todtenhöfer Bogenreferent im Thüringer Schützenbund, Gabi Möslein arbeitet im Trainerrat mit oder Carsten Kühn ist als nationaler Kampfrichter tätig. Was Jürgen Todtenhöfer auszeichnet, ist seine Vordenkerrolle und das "Näschen" für kommende Entwicklungen. Der "ruhende Pol" in der Vereinsführung ist Bianca Pfeifer, die mit hohem Zeitaufwand, Kompetenz und frischen Ideen das Vereinsleben organisiert. Dazu gehört neben zeitintensiven Wettkampfvorbereitungen auch die vom Aufwand her oft unterschätze Mitgliederverwaltung und Informationsverteilung. Eine gelungene Jubiläumsfahrt im September und eine sicher wieder schöne Herbstwanderung am heutigen Tag sind Beleg dafür, dass der Verein wirklich lebt.

 
 
 
 
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